Nebenkosten: Der unterschätzte Faktor beim Immobilienkauf
Wenn Sie nach Immobilien suchen, sehen Sie überall Kaufpreise. Aber der Kaufpreis ist nur ein Teil der Gesamtkosten. Nebenkosten können 10–15% des Kaufpreises ausmachen — das sind bei einem 400.000-Euro-Objekt bis zu 60.000 Euro zusätzlich.
Wer die Nebenkosten falsch einschätzt, kann in ernsthafte Finanzierungsprobleme geraten.
Die vier Hauptkomponenten der Nebenkosten
1. Grunderwerbsteuer
Die Grunderwerbsteuer ist die größte Nebenkosten-Position. Sie wird auf den Kaufpreis erhoben und variiert je nach Bundesland:
| Bundesland | Steuersatz |
|---|---|
| Bayern | 3,5% |
| Sachsen | 3,5% |
| Hamburg | 4,5% |
| Baden-Württemberg | 5,0% |
| Hessen | 6,0% |
| Brandenburg | 6,5% |
| NRW | 6,5% |
| Schleswig-Holstein | 6,5% |
| Thüringen | 6,5% |
Beispielrechnung: Kaufpreis 350.000 Euro, NRW (6,5%) → Grunderwerbsteuer: 22.750 Euro
2. Notarkosten
Der Notar beurkundet den Kaufvertrag — das ist in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben. Die Notargebühren sind gesetzlich im Gerichts- und Notarkostengesetz (GNotKG) festgelegt und richten sich nach dem Kaufpreis.
Typische Gesamtnotarkosten: ca. 1,0–1,5% des Kaufpreises
Diese umfassen:
- Beurkundung des Kaufvertrags
- Beglaubigungen und Ausfertigungen
- Abwicklung (Treuhänderische Kaufpreisabwicklung)
Beispielrechnung: Kaufpreis 350.000 Euro → Notarkosten ca. 3.500–5.250 Euro
3. Grundbuchkosten
Nach der Beurkundung muss die Eigentumsumschreibung im Grundbuch eingetragen werden. Die Kosten dafür richten sich ebenfalls nach dem GNotKG.
Typische Grundbuchkosten: ca. 0,4–0,6% des Kaufpreises
Diese umfassen:
- Eintragung der Auflassungsvormerkung
- Eigentumsumschreibung
- Eintragung der Grundschuld (falls Finanzierung)
Beispielrechnung: Kaufpreis 350.000 Euro → Grundbuchkosten ca. 1.400–2.100 Euro
4. Maklerprovision
Seit dem 23. Dezember 2020 gilt in Deutschland das Bestellerprinzip für Wohnimmobilien: Wer den Makler beauftragt, zahlt mindestens die Hälfte der Provision.
In der Praxis: Makler arbeiten meist auf Basis einer geteilten Provision. Der Käufer zahlt typischerweise 3,57% des Kaufpreises (inkl. MwSt.).
Beispielrechnung: Kaufpreis 350.000 Euro → Maklercourtage ca. 12.495 Euro
Hinweis: Bei Direktverkäufen ohne Makler fällt diese Position weg. Das ist ein erheblicher Vorteil — achten Sie darauf.
Weitere mögliche Nebenkosten
Finanzierungskosten
- Bankgebühren für die Kreditbearbeitung (häufig inzwischen 0, da verboten)
- Bereitstellungszinsen, wenn der Kredit nicht sofort abgerufen wird
- Wertermittlungsgebühr der Bank
- Kosten für Zinssicherung (Forward-Darlehen)
Sachverständigenkosten
- Bausachverständiger zur Begutachtung: 300–800 Euro
- Energieberater: 200–500 Euro
- Rechtsanwalt für Vertragsprüfung: 200–500 Euro
Umzugs- und Einrichtungskosten
- Umzugsunternehmen: 500–3.000 Euro
- Neue Möbel und Einrichtung: je nach Bedarf
- Renovierung vor dem Einzug: sehr variabel
Gesamtrechnung: Beispiele
Beispiel 1: Eigentumswohnung in Bayern
- Kaufpreis: 300.000 Euro
- Grunderwerbsteuer (3,5%): 10.500 Euro
- Notar (1,2%): 3.600 Euro
- Grundbuch (0,5%): 1.500 Euro
- Makler (3,57%): 10.710 Euro
- Gesamtnebenkosten: 26.310 Euro (8,8%)
Beispiel 2: Einfamilienhaus in NRW
- Kaufpreis: 450.000 Euro
- Grunderwerbsteuer (6,5%): 29.250 Euro
- Notar (1,2%): 5.400 Euro
- Grundbuch (0,5%): 2.250 Euro
- Makler (3,57%): 16.065 Euro
- Gesamtnebenkosten: 52.965 Euro (11,8%)
Strategien zur Reduzierung der Nebenkosten
Inventar separat ausweisen
Einbauküche, Sauna, Möbel oder Gartengeräte können separat ausgewiesen werden, wenn sie mitgekauft werden. Die Grunderwerbsteuer fällt nur auf den Gebäude-/Grundstückswert an, nicht auf das Inventar.
Wichtig: Die Aufteilung muss realistisch und marktüblich sein. Das Finanzamt prüft das.
Makler umgehen
Bei Direktverkäufen sparen Sie die Maklerprovision. Plattformen wie eBay Immobilien oder Kleinanzeigen listen viele Direktangebote. Oder sprechen Sie Eigentümer in Ihrer Wunschlage direkt an.
Fazit: Nebenkosten von Anfang an einplanen
Planen Sie die Nebenkosten von Anfang an in Ihre Finanzierung ein. Banken finanzieren die Nebenkosten in der Regel nicht — sie müssen aus Eigenkapital bezahlt werden. Je nach Bundesland und ob ein Makler involviert ist, sollten Sie 8–15% des Kaufpreises als Eigenkapital für Nebenkosten einplanen.



