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Nebenkosten beim Immobilienkauf
Kaufprozess

Nebenkosten beim Immobilienkauf

07. Dezember 2025·9 min Lesezeit

Redaktion ImmoPrüfung

Geprüft von der ImmoPrüfung-Fachredaktion · Über uns

Nebenkosten: Der unterschätzte Faktor beim Immobilienkauf

Wenn Sie nach Immobilien suchen, sehen Sie überall Kaufpreise. Aber der Kaufpreis ist nur ein Teil der Gesamtkosten. Nebenkosten können 10–15% des Kaufpreises ausmachen — das sind bei einem 400.000-Euro-Objekt bis zu 60.000 Euro zusätzlich.

Wer die Nebenkosten falsch einschätzt, kann in ernsthafte Finanzierungsprobleme geraten.

Die vier Hauptkomponenten der Nebenkosten

1. Grunderwerbsteuer

Die Grunderwerbsteuer ist die größte Nebenkosten-Position. Sie wird auf den Kaufpreis erhoben und variiert je nach Bundesland:

Bundesland Steuersatz
Bayern 3,5%
Sachsen 3,5%
Hamburg 4,5%
Baden-Württemberg 5,0%
Hessen 6,0%
Brandenburg 6,5%
NRW 6,5%
Schleswig-Holstein 6,5%
Thüringen 6,5%

Beispielrechnung: Kaufpreis 350.000 Euro, NRW (6,5%) → Grunderwerbsteuer: 22.750 Euro

2. Notarkosten

Der Notar beurkundet den Kaufvertrag — das ist in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben. Die Notargebühren sind gesetzlich im Gerichts- und Notarkostengesetz (GNotKG) festgelegt und richten sich nach dem Kaufpreis.

Typische Gesamtnotarkosten: ca. 1,0–1,5% des Kaufpreises

Diese umfassen:

  • Beurkundung des Kaufvertrags
  • Beglaubigungen und Ausfertigungen
  • Abwicklung (Treuhänderische Kaufpreisabwicklung)

Beispielrechnung: Kaufpreis 350.000 Euro → Notarkosten ca. 3.500–5.250 Euro

3. Grundbuchkosten

Nach der Beurkundung muss die Eigentumsumschreibung im Grundbuch eingetragen werden. Die Kosten dafür richten sich ebenfalls nach dem GNotKG.

Typische Grundbuchkosten: ca. 0,4–0,6% des Kaufpreises

Diese umfassen:

  • Eintragung der Auflassungsvormerkung
  • Eigentumsumschreibung
  • Eintragung der Grundschuld (falls Finanzierung)

Beispielrechnung: Kaufpreis 350.000 Euro → Grundbuchkosten ca. 1.400–2.100 Euro

4. Maklerprovision

Seit dem 23. Dezember 2020 gilt in Deutschland das Bestellerprinzip für Wohnimmobilien: Wer den Makler beauftragt, zahlt mindestens die Hälfte der Provision.

In der Praxis: Makler arbeiten meist auf Basis einer geteilten Provision. Der Käufer zahlt typischerweise 3,57% des Kaufpreises (inkl. MwSt.).

Beispielrechnung: Kaufpreis 350.000 Euro → Maklercourtage ca. 12.495 Euro

Hinweis: Bei Direktverkäufen ohne Makler fällt diese Position weg. Das ist ein erheblicher Vorteil — achten Sie darauf.

Weitere mögliche Nebenkosten

Finanzierungskosten

  • Bankgebühren für die Kreditbearbeitung (häufig inzwischen 0, da verboten)
  • Bereitstellungszinsen, wenn der Kredit nicht sofort abgerufen wird
  • Wertermittlungsgebühr der Bank
  • Kosten für Zinssicherung (Forward-Darlehen)

Sachverständigenkosten

  • Bausachverständiger zur Begutachtung: 300–800 Euro
  • Energieberater: 200–500 Euro
  • Rechtsanwalt für Vertragsprüfung: 200–500 Euro

Umzugs- und Einrichtungskosten

  • Umzugsunternehmen: 500–3.000 Euro
  • Neue Möbel und Einrichtung: je nach Bedarf
  • Renovierung vor dem Einzug: sehr variabel

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Gesamtrechnung: Beispiele

Beispiel 1: Eigentumswohnung in Bayern

  • Kaufpreis: 300.000 Euro
  • Grunderwerbsteuer (3,5%): 10.500 Euro
  • Notar (1,2%): 3.600 Euro
  • Grundbuch (0,5%): 1.500 Euro
  • Makler (3,57%): 10.710 Euro
  • Gesamtnebenkosten: 26.310 Euro (8,8%)

Beispiel 2: Einfamilienhaus in NRW

  • Kaufpreis: 450.000 Euro
  • Grunderwerbsteuer (6,5%): 29.250 Euro
  • Notar (1,2%): 5.400 Euro
  • Grundbuch (0,5%): 2.250 Euro
  • Makler (3,57%): 16.065 Euro
  • Gesamtnebenkosten: 52.965 Euro (11,8%)

Strategien zur Reduzierung der Nebenkosten

Inventar separat ausweisen

Einbauküche, Sauna, Möbel oder Gartengeräte können separat ausgewiesen werden, wenn sie mitgekauft werden. Die Grunderwerbsteuer fällt nur auf den Gebäude-/Grundstückswert an, nicht auf das Inventar.

Wichtig: Die Aufteilung muss realistisch und marktüblich sein. Das Finanzamt prüft das.

Makler umgehen

Bei Direktverkäufen sparen Sie die Maklerprovision. Plattformen wie eBay Immobilien oder Kleinanzeigen listen viele Direktangebote. Oder sprechen Sie Eigentümer in Ihrer Wunschlage direkt an.

Fazit: Nebenkosten von Anfang an einplanen

Planen Sie die Nebenkosten von Anfang an in Ihre Finanzierung ein. Banken finanzieren die Nebenkosten in der Regel nicht — sie müssen aus Eigenkapital bezahlt werden. Je nach Bundesland und ob ein Makler involviert ist, sollten Sie 8–15% des Kaufpreises als Eigenkapital für Nebenkosten einplanen.

Häufige Fragen

Wie hoch sind die Nebenkosten beim Immobilienkauf?

Nebenkosten betragen je nach Bundesland und Makler-Beteiligung 8 bis 15% des Kaufpreises. Bei einem Kaufpreis von 350.000 Euro in NRW kommen beispielsweise 22.750 Euro Grunderwerbsteuer, ca. 4.375 Euro Notarkosten, ca. 1.750 Euro Grundbuchkosten und ca. 12.495 Euro Maklerprovision zusammen — insgesamt knapp 41.000 Euro.

Wie hoch ist die Grunderwerbsteuer in meinem Bundesland?

Die Grunderwerbsteuer variiert erheblich: Bayern und Sachsen erheben 3,5%, Hamburg 4,5%, Baden-Württemberg 5,0%, Hessen 6,0% und Brandenburg, NRW, Schleswig-Holstein sowie Thüringen jeweils 6,5%. Sie wird auf den Kaufpreis erhoben und muss vollständig aus Eigenkapital bezahlt werden, da Banken sie in der Regel nicht finanzieren.

Wer zahlt die Maklerprovision — Käufer oder Verkäufer?

Seit dem 23. Dezember 2020 gilt das Bestellerprinzip für Wohnimmobilien: Wer den Makler beauftragt, zahlt mindestens die Hälfte. In der Praxis teilen Käufer und Verkäufer die Provision. Käufer zahlen typischerweise 3,57% des Kaufpreises inkl. MwSt. Bei Direktverkäufen ohne Makler entfällt diese Position vollständig.

Können Nebenkosten beim Immobilienkauf reduziert werden?

Ja, mit zwei Strategien: Erstens können mitgekaufte Inventarposten (Einbauküche, Sauna, Möbel) separat im Kaufvertrag ausgewiesen werden — Grunderwerbsteuer fällt nur auf den Gebäude- und Grundstückswert an. Die Aufteilung muss realistisch und marktüblich sein, da das Finanzamt prüft. Zweitens sparen Sie die Maklerprovision bei Direktverkäufen komplett.

Finanzieren Banken die Kaufnebenkosten mit?

In der Regel nein. Banken finanzieren typischerweise nur den Kaufpreis, nicht die Nebenkosten. Diese müssen vollständig aus Eigenkapital bezahlt werden. Je nach Bundesland und Makler-Beteiligung sollten Sie 8 bis 15% des Kaufpreises als Eigenkapital allein für die Nebenkosten reservieren — zusätzlich zu dem Eigenkapital, das Sie für die Finanzierung einsetzen möchten.

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