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Was ist Due Diligence beim Immobilienkauf?
Grundlagen

Was ist Due Diligence beim Immobilienkauf?

01. September 2025·10 min Lesezeit

Was bedeutet Due Diligence?

Der Begriff "Due Diligence" stammt aus dem Englischen und bedeutet sinngemäß "angemessene Sorgfalt". Im Kontext des Immobilienkaufs bezeichnet er die systematische Prüfung und Analyse aller relevanten Aspekte einer Immobilie, bevor der Kaufvertrag unterzeichnet wird.

Eine gründliche Due Diligence schützt Sie vor bösen Überraschungen nach dem Kauf: versteckten Mängeln, rechtlichen Problemen, finanziellen Risiken und energetischen Sanierungspflichten.

Warum ist Due Diligence so wichtig?

Der Kauf einer Immobilie ist für die meisten Menschen die größte finanzielle Entscheidung ihres Lebens. Fehler lassen sich nach der Vertragsunterzeichnung kaum noch korrigieren — der Notar beurkundet einen Kaufvertrag, der in der Regel "wie besehen" gilt. Als Käufer tragen Sie das volle Risiko für alle Mängel, die nach dem Kauf entdeckt werden.

Ein klassisches Beispiel: Ein Käufer erwirbt ein Einfamilienhaus, ohne den Energieausweis genau zu prüfen. Erst nach dem Kauf stellt er fest, dass das Haus die aktuellen Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) nicht erfüllt und eine Sanierungspflicht besteht. Die Kosten: 40.000 bis 80.000 Euro.

Die vier Dimensionen der Due Diligence

1. Rechtliche Prüfung

Die rechtliche Due Diligence umfasst die Analyse des Grundbuchs, laufender Verträge und möglicher Belastungen. Wichtige Punkte sind:

  • Grundbuchauszug: Wer ist der rechtmäßige Eigentümer? Gibt es Hypotheken, Grundschulden oder Dienstbarkeiten?
  • Baulasten: Sind im Baulastenverzeichnis Verpflichtungen eingetragen, die das Grundstück belasten?
  • Erbbaurecht: Steht das Haus auf einem Erbbaurechtsgrundstück? Wenn ja, wann läuft das Recht aus?
  • Mietverträge: Bei vermieteten Objekten — welche Rechte haben bestehende Mieter?

2. Technische Prüfung

Beim Besichtigungstermin sollten Sie die Immobilie systematisch auf Mängel prüfen oder einen Bausachverständigen hinzuziehen. Achten Sie auf:

  • Feuchtigkeitsschäden und Schimmel (besonders in Keller, Bad und Dachbereich)
  • Zustand von Dach, Fassade und Fenster
  • Alter und Zustand der Heizungsanlage
  • Elektroinstallation und Sanitäranlagen
  • Zustand des Fundaments und tragender Wände

3. Energetische Prüfung

Das Gebäudeenergiegesetz (GEG 2024) schreibt vor, dass Immobilien bestimmte Energiestandards erfüllen müssen. Der Energieausweis gibt erste Hinweise — aber er reicht allein nicht aus. Prüfen Sie:

  • Energieeffizienzklasse und Primärenergiebedarf
  • Art der Heizungsanlage und deren Alter
  • Dämmzustand von Dach, Wänden und Keller
  • Fensterverglasung (Einfach-, Zweifach-, Dreifach-Wärmeschutz)

4. Finanzielle Prüfung

Neben dem Kaufpreis fallen erhebliche Nebenkosten an, die viele Käufer unterschätzen:

  • Grunderwerbsteuer (je nach Bundesland 3,5 bis 6,5 Prozent)
  • Notarkosten (ca. 1,5 Prozent)
  • Maklercourtage (bis zu 3,57 Prozent inkl. MwSt.)
  • Grundbuchkosten (ca. 0,5 Prozent)

Bei einem Kaufpreis von 400.000 Euro können Nebenkosten von 40.000 bis 60.000 Euro anfallen.

Der Due-Diligence-Prozess Schritt für Schritt

Schritt 1: Unterlagen anfordern

Fordern Sie vom Verkäufer oder Makler alle relevanten Unterlagen an, bevor Sie einen Besichtigungstermin vereinbaren:

  • Aktueller Grundbuchauszug (nicht älter als 3 Monate)
  • Energieausweis
  • Baupläne und Baugenehmigungen
  • Bei Wohnungseigentum: Teilungserklärung, aktuelle Protokolle der Eigentümerversammlungen, Wirtschaftsplan, Kontoauszug der Instandhaltungsrücklage

Schritt 2: Besichtigung mit Experten

Eine Besichtigung allein reicht nicht aus. Beauftragen Sie einen unabhängigen Bausachverständigen, der die Immobilie systematisch untersucht. Die Kosten (300 bis 800 Euro) sind gut investiert — sie können Ihnen Tausende Euro Sanierungskosten ersparen.

Schritt 3: Rechtliche Prüfung

Lassen Sie das Grundbuch von einem Rechtsanwalt oder Notar prüfen. Bei Wohnungseigentum sollten Sie außerdem die Teilungserklärung und die Gemeinschaftsordnung sorgfältig lesen — sie regeln, was Sie mit Ihrer Wohnung machen dürfen und welche Kosten auf Sie zukommen.

Schritt 4: Finanzierungsprüfung

Klären Sie vor dem Kaufangebot, ob und zu welchen Konditionen Sie eine Finanzierung erhalten. Sprechen Sie mit mehreren Banken und vergleichen Sie die Angebote. Denken Sie auch an Fördermöglichkeiten über KfW und BAFA.

Fazit: Sorgfalt zahlt sich aus

Eine gründliche Due Diligence kostet Zeit und etwas Geld — aber sie schützt Sie vor Fehlkäufen, die Sie finanziell und emotional ruinieren können. Behandeln Sie jeden Immobilienkauf wie eine professionelle Investitionsentscheidung, auch wenn es sich um Ihr zukünftiges Zuhause handelt.

Mit digitalen Tools wie ImmoPrüfung können Sie viele Aspekte der Due Diligence automatisiert und in kurzer Zeit durchführen. KI-gestützte Analysen helfen Ihnen, die wichtigsten Risiken zu identifizieren und priorisieren — bevor Sie einen Notartermin vereinbaren.

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